Beitragsauszug: Akute Fremdgefährdung, schwere Reizüberflutung, Diagnosen wie PTBS, Bipolare Störungen oder ADHS und eine Historie von Beziehungsabbrüchen: Wenn Jugendliche das Hilfesystem an seine Belastungsgrenzen bringen, stehen Fachkräfte im Allgemeinen Sozialdienst (ASD) und in den Jugendämtern vor extremen Entscheidungsdruck. In genau diesen Momenten braucht es keine theoretischen Abhandlungen, sondern verlässliche Haltekraft und operative Handlungssicherheit. Dieser Leitfaden beleuchtet aus der gelebten Praxis heraus, wie hochspezialisierte Intensivangebote (ISE) im Hochrisiko-Setting arbeiten. Erfahren Sie, wie professionelle Deeskalation, gewaltfreie Strukturierung und traumabezogene Pädagogik Hand in Hand gehen, um selbst in akut gefährlichen Situationen die Kontrolle zurückzugewinnen. Durch das Zusammenspiel von passgenauer Krisenintervention, elterlicher Systemstabilisierung und tragfähiger Strukturkompetenz entstehen Wege aus der Abbruchspirale. Der Beitrag zeigt auf, wie durch verlässliche Beziehungen und rechtlich unangreifbare Konzepte nach § 27, § 35, § 35a und § 42 SGB VIII nachhaltige Entlastung für Jugendämter geschaffen wird.
Die Ruhe im Sturm: Warum professionelle Deeskalation bei Selbst- und Fremdgefährdung Beziehungsarbeit ist
Es ist 02:40 Uhr an einem Dienstag. Das Display des Diensthandys leuchtet auf. Am anderen Ende der Leitung meldet sich eine Fachkraft aus der Inobhutnahmestelle. Die Stimme ist angespannt, im Hintergrund hört man unverständliches Brüllen durch den Flur. Ein 15-jähriger Jugendliche mit den Diagnosen komplexes Trauma, PTBS und Bipolare Störung befindet sich im Zustand massiver Fremdgefährdung. Das Mobiliar des Zimmer ist teils zertrümmert, Glas ist gesplittert, das Regelangebot der Jugendeinrichtung steht vor dem Aus. Die alarmierte Polizei steht auf dem Flur, zögert jedoch mit dem Zugriff, weil jede Bewegung die Situation weiter anheizt. Die Fachkraft des Jugendamtes fragt mit leiser, abgekämpfter Stimme: „Könnt ihr übernehmen? Wir sind hier am absoluten Ende unserer Möglichkeiten.“
In genau diesem Moment entscheidet sich, was Pädagogik im Kern bedeutet. Wenn Systeme an ihre Grenzen stoßen und das Wort „Systemsprenger“ durch den Raum geistert, beginnt für uns keine Ausnahmesituation, sondern der gewohnte Arbeitsauftrag. Fremdgefährdendes Verhalten ist im Kern fast nie ein Akt willkürlicher Bösartigkeit. Es ist der Verzweiflungsschrei eines zentralen Nervensystems, das die Kontrolle verloren hat, überschwemmt von Stresshormonen, getriggert durch früheste Bindungsabbrüche.
Wer in solchen Momenten mit Härte, Machtdemonstrationen oder körperlichem Zwang reagiert, gießt Benzin ins Feuer. Was diese Jugendlichen brauchen, sind Betreuer mit Expertise bei Selbst- und Fremdgefährdung, die selbst mitten im Areal der Eskalation eine unerschütterliche, innere Ruhe bewahren. Es braucht Menschen, die den emotionalen Sturm aushalten können, ohne zurückzuschlagen, ohne zu weichen und ohne die Beziehung aufzukündigen.
Der Moment der Eskalation: Wie das Gehirn im Hochrisiko-Setting reagiert
Um zu verstehen, warum klassische pädagogische Erziehungsmaßnahmen in Hochrisiko-Settings scheitern, muss man den Blick auf die neurobiologischen Prozesse richten. Ein Jugendliche, der unter den Folgen schwerer Bindungsstörungen, einer Posttraumatischen Belastungsstörung und einer bipolaren Dynamik leidet, nimmt die Welt fundamental anders wahr als neurotypische Menschen.
Kommt eine ausgeprägte ADHS-Symptomatik hinzu, fehlt dem Gehirn der filtriere Puffer. Reize treffen ungefiltert auf den Mandelkern, die Amygdala. In einer Krisensituation schaltet das Gehirn innerhalb von Millisekunden vom logischen Denken im präfrontalen Kortex auf primitive Überlebensstrategien um: Angriff, Flucht oder Totstellreflex.
Neurobiologie der Krise: Reizüberflutung, Traumatrigg und die Wahrnehmung des Jugendlichen
Wenn ein traumatisierter Jugendliche in eine Reizüberflutung gerät, ist die Fähigkeit zur verbalen Sprachverarbeitung nahezu ausgeschaltet. Jede laute Anweisung, jede suggestive Körperhaltung und jeder Versuch, Grenzen durch physische Dominanz durchzusetzen, wird vom Gehirn als akute Bedrohung des eigenen Lebens interpretiert. Der Betroffene kämpft in diesem Moment nicht gegen die Erzieher oder die Regeln der Einrichtung, sondern gegen das reenagierte Trauma seiner Vergangenheit.
Aus eigener Erfahrung mit ADHS kenne ich das Gefühl der Reizüberflutung sehr genau. Wenn der Kopf von Eindrücken überschwemmt wird, rasen die Gedanken, die Wahrnehmung schärft sich auf jedes Detail im Raum, und die Toleranzgrenze für visuelle sowie akustische Reize sinkt gegen Null. In der Betreuung ist genau diese eigene Neurodivergenz keine Schwäche, sondern eine entscheidende Superkraft. Sie erlaubt es, die ersten feinen Signale einer drohenden Überlastung beim Jugendlichen zu spüren, lange bevor die Situation nach außen hin explodiert.
ADHS und Bipolare Dynamiken als Beschleuniger im Ausnahmezustand
Die Kombination aus einer Bipolaren Störung und ADHS wirkt im Krisenfall wie ein Beschleuniger. Stimmlagen wechseln innerhalb von Sekunden von depressiver Lethargie in hochexplosive Aggression. Kommt eine schwere Bindungsstörung hinzu, wird jede Form von Beziehungsangebot gleichzeitig ersehnt und panisch bekämpft. Der Jugendliche sucht unbewusst die Reaktivierung des gewohnten Musters: Ablehnung, Überforderung und den anschließenden Beziehungsabbruch.
Für Fachkräfte im Allgemeinen Sozialdienst (ASD) und den Jugendämtern erzeugt diese Dynamik enormen Druck. Die Sorge vor Personenschäden, Haftungsrisiken und medialer Öffentlichkeit führt nicht selten dazu, dass Betreuungsverhältnisse überstürzt beendet werden. Doch jeder erneute Abbruch verstärkt das Traumamuster des Jugendlichen und erhöht die Wahrscheinlichkeit zukünftiger, noch schwererer Eskalationen.
Das Fundament der Deeskalation: Gewaltfreie Präsenz statt physischer oder emotionaler Härte
Echte Professionalität zeigt sich nicht darin, wie gut man Regeln durchsetzt, sondern wie gelassen man bleibt, wenn alle Regeln gebrochen werden. Wenn wir als Spezialeinheit für Intensivbetreuungen an den Einsatzort gerufen werden, ist unser erstes Ziel nicht die Verhaltenskorrektur, sondern die Absenkung des Erregungsniveaus.
Gut ausgebildet zu sein bedeutet im Kontext der gewaltfreien Deeskalation, die eigene Körpersprache, die Atemfrequenz und den Tonfall millimetergenau zu steuern. Die eigene Ruhe muss ansteckend wirken. Wir begegnen der fremdgefährdenden Dynamik mit klarer, physischer und mentaler Präsenz, ohne dabei bedrohlich zu wirken.
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| STUFENMODELL DER GEWALTFREIEN DEESKALATION |
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| 1. Wahrnehmung & Feineinstellung |
| - Erkennen primärer Stresssignale (Feinmotorik, Blickkontakt) |
| - Reduktion eigener Bewegungsgeschwindigkeit & Tonhöhe |
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| 2. Raum- & Reizregulierung |
| - Schaffen von körperlicher Distanz ohne Beziehungsabriss |
| - Entfernen unnötiger Reizquellen (Zuschauer, Lärm, Licht) |
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| 3. Emotionale Ko-Regulation |
| - Validierung des emotionalen Zustands ("Ich sehe deine Wut") |
| - Angebot von verlässlicher Haltekraft ohne Zwang |
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| 4. Strukturierte Nachbearbeitung |
| - Aufarbeitung der Situation im Zustand völliger Beruhigung |
| - Schließen von Schutzvereinbarungen für zukünftige Krisen |
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Die Rolle von SOLPROTECT: Spezialisierte Sicherheits- und Kriseninterventionskonzepte
Mit den speziell entwickelten Sicherheitskonzepten von SOLPROTECT greifen wir auf erprobte Standards der Deeskalation zurück. Diese verbinden den Schutz aller Beteiligten mit der Wahrung der Würde des Jugendlichen. Unsere Teams bestehen aus Fachkräften, die für genau diese Hochrisiko-Situationen geschult sind.
Anstatt auf repressive Maßnahmen setzen wir auf raumgreifende Deeskalationstechniken, deeskalierende Positionierung und die Reduktion von visuellen wie akustischen Reizen. Das Ziel ist es immer, die physische Integrität des Jugendlichen, des Erzieherteams und des Umfelds zu sichern, ohne dabei Fixierungen oder polizeiliche Zwangsmittel einzusetzen, wo immer dies pädagogisch und menschlich abwendbar ist.
Das Phänomen der Testphase: Warum es zuerst unruhig werden muss, bevor Stabilität entsteht
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus unserer langjährigen Praxis in der Intensiven Sozialpädagogischen Einzelbetreuung (ISE) ist das verlässliche Auftreten der sogenannten Testphase. Wenn Jugendliche mit einer langen Abfolge von Beziehungsbrüchen in ein neues, hochspezialisiertes Betreuungssystem kommen, glauben sie den verbalen Zusicherungen von Halt und Sicherheit zunächst nicht.
Sie beginnen, das System gezielt zu testen. Sie provozieren, drohen, zerstören Mobiliar oder zeigen heftige Fremdgefährdung, um zu prüfen: „Bleibt ihr wirklich? Oder werft ihr mich auch raus, wenn ich mich von meiner schlimmsten Seite zeige?“ In dieser Phase steigt die Unruhe im Betreuungsetting massiv an. Das ist kein Zeichen für das Scheitern der Maßnahme, sondern ein notwendiger, pädagogischer Durchgangsstadium. Erst wenn der Jugendliche wiederholt erlebt, dass die Betreuer gelassen bleiben, die Grenze gewaltfrei halten und die Beziehung nicht aufkündigen, kann das traumatisierte Nervensystem zur Ruhe kommen und echte Haltekraft erfahren.
Die doppelte Haltelinie: Die Synergie von direkter Krisenarbeit und systemischer Familienstabilisierung
Eine Krise entsteht selten im luftleeren Raum. Sie ist fast immer das Symptom eines überlasteten, hochgradig dysfunktionalen Gesamtsystems. Wer nur an den Symptomen des Jugendlichen arbeitet, übersieht die Reaktivierungsmechanismen im Herkunftssystem oder im bisherigen Unterbringungskontext.
Aus diesem Grund verfolgen wir bei SOLSYSTEM eine zweigleisige Strategie, die man als doppelte Haltelinie bezeichnen kann: Die direkte, hochintensive Interventionsarbeit am Jugendlichen vor Ort gepaart mit einer gleichzeitigen, tiefgreifenden Entlastung und Befriedung des Herkunftssystems.
Linda Potthofs Arbeit im Hintergrund: Befriedung des Familiensystems und Elterncoaching
Während das operative Team im direkten Krisenherd vor Ort agiert, übernimmt meine Frau Linda Potthof eine zentrale, systemische Schlüsselfunktion. Als erfahrene Buchautorin, Speakerin und Spezialistin für ADHS und familiäre Überlastungssituationen arbeitet sie direkt mit den Eltern, Angehörigen oder bisherigen Bezugspersonen.
In akuten Krisen herrscht auf Seiten der Eltern meist extreme Schuld, Scham, Erschöpfung und verständliche Angst. Linda fängt diese hochkochtenden Emotionen im Hintergrund auf. Sie strukturiert die Kommunikation, führt zielgerichtete Elterncoachings durch und vermittelt den Erziehungsberechtigten ein tiefes Verständnis für die neurobiologischen Hintergründe der Diagnosen ihrer Kinder. Diese parallele Befriedung verhindert, dass emotionale Altlasten oder ungeklärte Konflikte aus dem Familiensystem die Fortschritte in der Intensivbetreuung wieder zunichtemachen.
SOLSYSTEM Strukturkompetenz: Wie Strukturhelfer verlässliche Räume schaffen
Die Marke SOLSYSTEM steht für eine klare, unerschütterliche Strukturkompetenz. Unsere speziell geschulten Strukturhelfer agieren als Anker im Alltag des Jugendlichen. Wir bauen Tages- und Wochenstrukturen auf, die dem Betroffenen Orientierung bieten, ohne ihn einzuengen.
Sicherheit entsteht durch Vorhersehbarkeit. Indem wir klare, verlässliche Abläufe etablieren und diese auch in Phasen starker Verhaltensauffälligkeiten konsequent aufrechterhalten, nehmen wir den Druck aus dem Alltag. Der Jugendliche muss nicht mehr durch grenzüberschreitendes Verhalten nach Halt suchen, weil die Struktur den Halt bereits vorgibt.
Die rechtliche Verankerung und betriebswirtschaftliche Logik im SGB VIII
Intensivmaßnahmen im Hochrisiko-Setting bewegen sich naturgemäß in einem anspruchsvollen rechtlichen und finanziellen Rahmen. Für Mitarbeiter im Jugendamt und im ASD ist es von entscheidender Bedeutung, dass die eingeleiteten Maßnahmen rechtlich einwandfrei begründet und betriebswirtschaftlich darstellbar sind.
Paragrafen im Fokus: § 27, § 35, § 35a und § 42 SGB VIII rechtssicher ausgestalten
Die gesetzliche Basis unserer Arbeit bildet das SGB VIII, wobei die rechtliche Zuordnung je nach Einzelfall präzise ausgestaltet werden muss:
- § 27 SGB VIII (Hilfe zur Erziehung): Der allgemeine Rahmen für die Gewährung von individuellen Hilfen, wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist.
- § 35 SGB VIII (Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung – ISE): Die primäre rechtliche Grundlage für unsere hochspezialisierten Settings. Sie ist genau für die Jugendlichen konzipiert, die intensiver Unterstützung zur sozialen Integration und eigenverantwortlichen Lebensführung bedürfen.
- § 35a SGB VIII (Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche): Unverzichtbar bei vorliegenden Diagnosen wie PTBS, schwerer ADHS oder Bipolaren Störungen, wenn eine Seelische Behinderung droht oder bereits eingetreten ist und die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.
- § 42 SGB VIII (Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen): Oft die rechtliche Brücke in akuten Krisen- und Gefährdungssituationen, um unmittelbaren Schutz zu gewähren und eine qualifizierte Perspektivklärung einzuleiten.
Prävention von Klinikschleifen und Fehleinsätzen: Warum Spezialisierung Kosten spart
Auf den ersten Blick wirken hochintensive Einzelbetreuungen im Vergleich zu Regelgruppen als kostenintensiv. Betrachtet man jedoch die Gesamtkostenrechnung über einen längeren Zeitraum, kehrt sich dieses Bild drastisch um.
Ungedeckte Krisen bei fremdgefährdenden Jugendlichen führen regelmäßig zu einer Abfolge von immensen Folgekosten. Hierzu gehören wiederholte, oft monatelange Aufnahmen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP), Zerstörung von Inventar in Unterkünften, Polizeieinsätze, Gerichtsverfahren und schlussendlich der Wechsel in noch teurere, oft geschlossene Unterbringungsformen.
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| KOSTEN- & EFFIZIENZVERGLEICH IM KONTINUUM |
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| UNSTRUKTURIERTE ABBRUCHSPIRALE |
| Regularangebot -> Eskalation -> KJP-Aufenthalt -> Abbruch -> |
| Inobhutnahme -> Sachschäden -> Geschlossene Unterbringung |
| FEHLINVESTITION & HOHE FOLGEKOSTEN FÜR DIE KOMMUNE |
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| ZIELGERICHTETE SOLSYSTEM INTENSIVBETREUUNG (ISE) |
| Spezialisiertes Team -> Strukturierung -> Deeskalation -> |
| Stabilisierung des Herkunftssystems -> Nachhaltige Teilhabe |
| PLANBARE INVESITON & EFFEKTIVE REINTEGRATION |
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Durch den gezielten Einsatz von geschulten Teams, die in der Lage sind, selbst extremste Krisen vor Ort gewaltfrei aufzufangen, werden Klinikschleifen durchbrochen. Die Verminderung von Abbrüchen schützt nicht nur das Budget der Kommunen, sondern sichert vor allem das Kindeswohl durch die Vermeidung erneuter Retraumatisierungen.
Praxisbericht aus der Intensivbetreuung: Ein Fallbeispiel der gelungenen Stabilisierung
Um die praktische Wirksamkeit dieser Arbeitsweise zu verdeutlichen, hilft der Blick auf die Geschichte von Jonas (Name geändert), 16 Jahre alt. Diagnostiziert mit PTBS, Bipolarer Störung und ausgeprägtem fremdgefährdenden Verhalten. Jonas hatte innerhalb von zwei Jahren sechs verschiedene Wohngruppen und drei Psychiatrieaufenthalte hinter sich. Bei jedem Versuch einer Grenzensetzung reagierte er mit körperlicher Gewalt gegen Betreuer und der Zerstörung der Einrichtung. Das Jugendamt stufte den Fall als kaum mehr steuerbar ein.
Als unser Team die Betreuung im Rahmen einer ISE nach § 35 SGB VIII übernahm, spitzte sich die Situation in der zweiten Woche erwartungsgemäß zu. Jonas verbarrikadierte sich in der Küche, bewaffnete sich mit einer Glasflasche und drohte, jeden anzugreifen, der sich ihm nähere. Anstatt die Polizei für eine Zwangseinweisung zu rufen, wandte unser Team das SOLPROTECT Deeskalationsprotokoll an.
Zwei Betreuer blieben im Raum, reduzierten ihre Körperhaltung, sprachen ruhig, leise und mit klarer Verlässlichkeit. Keine Hektik, keine Gegenangriffe, keine Drohungen mit Konsequenzen. Über vier Stunden hielten die Betreuer die Situation aus. Sie gaben Jonas den Raum, den sein Nervensystem brauchte, um aus dem traumatischen Angriffsmodus herauszufinden, während sie gleichzeitig die äußere Grenze gewaltfrei sicherten.
Als die Anspannung nachließ, brach Jonas in Tränen aus. Es war der erste Moment seit Jahren, in dem er erlebte, dass sein extremstes Verhalten nicht zu einem Rauswurf führte. Parallel dazu arbeitete Linda Potthof intensiv mit seiner Mutter, um die tiefen Schuldgefühle zu lösen und klare Kommunikationsregeln für spätere Kontakte zu etablieren.
Heute, acht Monate später, lebt Jonas in einem stabilen, eigenen Wohnraum mit ambulanter Begleitung. Er hat seit sechs Monaten keine gewalttätigen Ausbrüche mehr gezeigt und absolviert eine berufliche Vorbereitungsmaßnahme.
Fazit & Ausblick
Die Arbeit mit Jugendlichen in Hochrisiko-Settings erfordert einen fundamentalen Haltungswechsel. Es geht nicht darum, Verhalten durch Druck zu erzwingen, sondern darum, durch professionelle Gelassenheit, fundierte Neurobiologie und verlässliche Beziehungsangebote Sicherheit zu stiften. Wenn Betreuer auch bei akuter Selbst- und Fremdgefährdung Ruhe bewahren, verwandeln sich scheinbare auswegslose Situationen in nachhaltige Entwicklungsräume.
Wir haben Lösungen auch in den Fällen die jeder Träger Ablehnt
Persönliches Fazit von Marcel
Als Vater von drei Söhnen und Mensch mit ADHS weiß ich zutiefst, wie schmal der Grat zwischen absoluter Überforderung und echter Entwicklung sein kann. Wenn ich auf die vielen Jahre in der Intensivbetreuung zurückblicke, sehe ich vor allem eines: Hinter jedem aggressiven Ausbruch, hinter jeder zerstörten Tür und hinter jedem Aktenvermerk mit dem Stempel „Systemsprenger“ steht ein junger Mensch, der in tiefster emotionaler Not steckt und gelernt hat, dass die Welt ihn verlässt, wenn er schwer auszuhalten ist.
Meine persönliche Überzeugung und die Grundhaltung von SOLSYSTEM ist unerschütterlich: Kein Jugendliche ist verloren. Es gibt keine ausweglosen Fälle, es gibt nur Settings, die nicht zum Bedarf des Kindes passen. Wir dürfen die Verantwortung nicht an die Nächsthöheren abgeben, sondern müssen die Steh- und Haltekraft besitzen, genau dort zu bleiben, wo es wehtut. Wenn wir es schaffen, den Menschen hinter der Diagnose zu sehen und dem Sturm mit gelassener Professionalität zu begegnen, schaffen wir nicht nur Sicherheit für den Moment, sondern eine Zukunft für ein ganzes Leben.
Laßen Sie uns zusammen kommen, Schreiben Sie uns Ihre Fallanfrage
Wenn Sie als Jugendamt, Einrichtung oder ASD vor einem Hilfeverlauf stehen, der festgefahren scheint, oder aktuell einen hochkomplexen Akutfall auf dem Tisch haben, lohnt sich oft ein neuer Blick auf die Gesamtdynamik. Manchmal braucht es keine neue, noch strengere Maßnahme, sondern schlicht einen anderen, hochgradig spezialisierten Ansatz mit unerschütterlicher Haltekraft. Nehmen Sie unverbindlich Kontakt mit uns auf, um gemeinsam zu prüfen, wie wir Ihren Fall rechtssicher, gewaltfrei und nachhaltig stabilisieren können.
Unsere Strukturen sind auf maximale Flexibilität und schnelle Reaktionszeiten im Notfall ausgelegt. Bei akuter Fremdgefährdung oder drohendem Betreuungsabbruch können wir nach einer kurzen, qualifizierten Ersteinschätzung und der rechtlichen Klärung oft innerhalb von 24 bis 48 Stunden operative Kapazitäten und geschultes Fachpersonal zur Verfügung stellen, um die Erststabilisierung vor Ort einzuleiten.
ie Anfrage erfolgt direkt über unsere Leitungsebene. In einem vertraulichen, hochkomprimierten Erstgespräch erfassen wir die Kernindikatoren, Diagnosen, bisherige Abbruchmuster und den aktuellen rechtlichen Rahmen (z. B. § 35 oder § 42 SGB VIII). Anschließend erstellen wir kurzfristig ein passgenaues, fachlich fundiertes Konzept inklusive Leistungs- und Entgeltbeschreibung für das veranlassende Jugendamt.
Regelangebote sind für eine breite Gruppe konzipiert und stoßen bei schwerer Fremdgefährdung, PTBS oder bipolaren Dynamiken aufgrund von Gruppendynamiken und Personalschlüsseln an organisatorische Grenzen. Unsere Intensivbetreuung arbeitet im 1:1- oder 2:1-Betreuungsschlüssel mit speziell ausgebildeten Fachkräften, die deeskalierend geschult sind und gezielt darauf verzichten, das Betreuungsverhältnis bei Krisen aufzukündigen.
Da wir hochspezialisierte Einzelbetreuungen anbieten und keine starren Heimstrukturen betreiben, arbeiten wir kapazitätsorientiert und maßgeschneidert. Ob kurzfristig freie Ressourcen verfügbar sind, klären wir in einer direkten, tagesaktuellen Abfrage. Wir versuchen stets, auch in vermeintlich aussichtslosen Situationen tragfähige Übergangslösungen zu schaffen.
Die Einbindung des Herkunftssystems erfolgt parallel zur Betreuung des Jugendlichen durch unser spezialisiertes Elterncoaching unter der Leitung von Linda Potthof. Ziel ist es, Schuldgefühle abzubauen, Sprachfähigkeit wiederherzustellen und den Eltern Werkzeuge an die Hand zu geben, damit sie als entlasteter, stabiler Hintergrundfaktor fungieren können, anstatt unbeabsichtigt neue Krisen auszulösen.