Wenn ISE gefährlich wird: Hilfe bei Fremdgefährdung.

Justin Schablewski Solsystem Struktur Kompetenz GmbH Ihre Experten für Systemsprenger
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Wenn ISE gefährlich wird: Hilfe bei Fremdgefährdung.

Beitragsauszug: Ein Scheppern im Flur, Splittern von Glas, Schreie, die durch Mark und Bein gehen. Wenn ein Jugendlicher im ISE-Reiseprojekt oder der Intensivwohngruppe akut fremdgefährdend agiert, kippt die Atmosphäre in Sekunden von Pädagogik auf reines Überleben. Regelsysteme stoßen hier systemisch an ihre Grenzen, Verträge werden fristlos gekündigt, und für das zuständige Jugendamt beginnt die verzweifelte Suche nach einer Einrichtung, die diesen jungen Menschen noch hält. Als Leiter des Kriseninterventionsteams der SOLSYSTEM Struktur Kompetenz GmbH kenne ich diese Ausnahmezustände aus nächster Nähe. Wenn der Mix aus ADHS, bipolarer Affektstörung und schwerer Bindungsstörung explodiert, braucht es mehr als gute Absichten. Es braucht geschulte Strukturhelfer, professionelle Sicherheitskonzepte durch SOLPROTECT und die unerschütterliche Haltung, den Beziehungsabbruch zu verweigern. Dieser Fachartikel beleuchtet, wie wir durch gewaltfreie Deeskalation, rechtssicheres Handeln und systemische Elternarbeit das Wendeblatt erzwingen und verlässlich freie Kapazitäten für scheinbar unbetreubare Jugendliche im Risiko-Setting schaffen.

Wenn es im ISE-Reiseprojekt gefährlich wird: Spezialisierte Intervention bei Fremdgefährdung

Das Geräusch von berstendem Holz in einer abgelegenen Holzhütte, unterscheidet sich nicht von dem Lärm in einer deutschen Regelwohngruppe. Es ist das universelle Geräusch einer Kaskade, die völlig außer Kontrolle geraten ist. Es war zwei Uhr nachts, als mein Satellitentelefon aufleuchtete. Am anderen Ende meldete sich ein erschöpfter Betreuer aus einem unserer mobilen ISE-Reiseprojekte. Im Hintergrund war das Schreien von Jonas zu hören, einem fünfzehnjährigen Jugendlichen. Jonas, diagnostiziert mit einer ausgeprägten bipolaren Störung, hochgradigem ADHS und einer tief sitzenden, reaktiven Bindungsstörung, hatte sich in einen Zustand extremer Raserei gesteigert. Ein Stuhl war bereits durch das Fenster geflogen, ein Besenstiel lag zerbrochen auf dem Dielenboden, und Jonas stand mit einem scharfen Werkzeug in der Hand vor der Tür der Betreuer. Er war akut fremdgefährdend.

In genau diesem Moment zeigt sich die unerbittliche Realität der Intensivpädagogik im Hochrisiko-Setting. Wo andere Maßnahmen hier enden, der Polizeieinsatz angefordert wird und das Jugendamt am nächsten Morgen die Kündigung der Maßnahme auf dem Tisch hat, fängt meine eigentliche Aufgabe an. Mein Name ist Justin Schablewski. Als teil des Kriseninterventionsteams der SOLSYSTEM Strukturkompetenz GmbH, Sohn von Marcel Potthof, zertifizierte InsOFA-Fachkraft und aktiver ISE-Betreuer stehe ich beruflich tagtäglich an dieser Kante. Ich schreibe diesen Text nicht aus der Distanz eines akademischen Hörsaals, sondern mit dem Staub der Krisenherde an den Schuhen. Wir wissen um die enorme Belastung der Fachkräfte in den Allgemeinden Sozialdiensten, die stundenlang nach einem freien Platz für ein fremdgefährdendes Kind telefonieren. Wir kennen die schlaflosen Nächte der Vormünder und die stumme Verzweiflung der Familien. Dieser Beitrag ist kein Vorwurf an ein überlastetes System, sondern ein fundierter Leitfaden dafür, wie durch echte Strukturkompetenz, Deeskalation und unerschütterliche Beziehungsgarantie aus absoluter Chaos-Dynamik wieder tragfähige Zukunftsperspektiven wachsen können.

Einsatztagebuch aus dem Ostsee-Projekt: Wenn das System am Abgrund steht

Als ich mich in jener Nacht auf den Weg machte und unser Kriseninterventionsteam koordinierte, war mir klar, welche Not diesem Ausbruch vorausgegangen war. Jonas galt in den Akten der Jugendämter längst als klassischer Systemsprenger. Er hatte innerhalb von vier Jahren elf verschiedene Settings durchlaufen: Inobhutnahmen nach § 42 SGB VIII, geschlossene Abteilungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Regelwohngruppen nach § 34 SGB VIII und schließlich zwei gescheiterte Intensivmaßnahmen. Jedes Mal war das Schema identisch verlaufen. Sobald Nähe entstand, sobald Verlässlichkeit eingefordert wurde oder Grenzen gezogen werden mussten, kippte seine Angst in massive Aggression. Jonas wurde fremdgefährdend. Er griff Personal an, zerstörte Inventar und setzte sein gesamtes Umfeld unter Dauerstress.

Die Regelsysteme reagierten, wie sie systemisch reagieren müssen, wenn der Schutz anderer Kinder oder der Arbeitsschutz der Mitarbeitenden auf dem Spiel steht: mit Beendigung der Hilfemaßnahme. Jeder dieser Abbrüche brannte sich tief in Jonas‘ Bindungstrauma ein und zementierte sein inneres Narrativ: Ich bin unliebbar, ich bin zu gefährlich für diese Welt, und ich schaffe es, jeden zu vertreiben. Als er schließlich in unser ISE-Reiseprojekt vermittelt wurde, brachte er dieses Muster ungebrochen mit. Ein ISE-Reiseprojekt bietet zwar den immensen Vorteil, den Jugendlichen aus seinen toxischen Reizfeldern, Drogenmilieus und negativen Peergroups herauszulösen, doch die räumliche Enge in einem mobilen Setting verstärkt die Beziehungsdichte extrem. Wenn der Jugendliche hier fremdgefährdend wird, gibt es kein Wegducken. Es braucht eine Sicherheitsarchitektur, die den Betreuer schützt, ohne den Jugendlichen erneut zu verstoßen.

Als ich an der Hütte eintraf, brannte das Licht im Außenbereich. Mein Betreuer vor Ort hatte sich strikt an unsere internen Sicherheitsprotokolle von SOLPROTECT gehalten. Er hatte den Raum verlassen, die Tür gesichert, hielt Sichtkontakt durch das Fenster und kommunizierte mit ruhiger, tiefer Stimme. Jonas saß zitternd auf den Trümmern eines Tischbeins, das Werkzeug noch immer in der Hand, der Atem ging stoßweise. Die Situation war auf Messers Schneide. Ein falscher Schritt, eine zu schnelle Bewegung oder eine drohende Geste hätte den nächsten Angriff ausgelöst. Ich trat nicht als Bedrohung auf, nicht als Autoritätsperson, die mit Konsequenzen droht, sondern als Mensch, der die Reizüberflutung in Jonas‘ Kopf versteht.

Die Diagnostik der Eskalation: Wenn ADHS, Bipolarität und Bindungstrauma kollidieren

Um zu begreifen, warum ein Jugendlicher im Risiko-Setting akut fremdgefährdend wird, muss man die neurobiologischen und psychologischen Schaltkreise verstehen, die in diesen Sekunden feuern. Es handelt sich fast nie um primär bösartige Intentionen oder kalte Delinquenz. Es ist das Resultat einer massiven Überforderung des zentralen Nervensystems.

Die neurobiologische Explosionszeichnung im Gehirn des Systemsprengers

Bei einer Kombination aus ADHS, bipolarer Affektstörung und einer schweren reaktiven Bindungsstörung befindet sich das Gehirn in einer permanenten Fehlschaltung der Bedrohungsevaluation. Die Amygdala, das Angstzentrum des Gehirns, feuert im Dauerbetrieb. Gleichzeitig ist die präfrontale Steuerung, welche für Impulskontrolle, Handlungsplanung und Affektregulierung zuständig ist, unter dem Einfluss von massiven Dopamin- und Noradrenalin-Schwankungen extrem geschwächt. Wenn nun die bipolare Dynamik von einer depressiven Phase in eine manische oder gemischte Episode kippt, verliert der Jugendliche jegliche Fähigkeit zur Selbstdistanzierung.

In diesem Zustand wird jede pädagogische Grenze, jede Einforderung von Struktur und selbst ein freundlich gemeinter Blick des Betreuers als existenzieller Angriff gewertet. Das Gehirn schaltet innerhalb von Millisekunden auf die evolutionären Überlebensprogramme: Fight, Flight oder Freeze. Da Flucht im Rahmen einer Einzelbetreuung oder eines Reiseprojekts oft nicht möglich erscheint und Erstarrung durch die innere manisch-motorische Unruhe blockiert ist, bleibt nur die Aggression. Der Jugendliche wird fremdgefährdend, weil sein Nervensystem glaubt, er müsse um sein nacktes Leben kämpfen. Wer in diesem Moment mit klassischen pädagogischen Konsequenzen, Drohungen mit dem Jugendamt oder physischer Gegengewalt reagiert, gießt hochprozentiges Öl in ein bereits lichterloh brennendes Feuer.

Reizüberflutung als Anker: Meine eigene ADHS-Wahrnehmung als Werkzeug im Krisenherd

An dieser Stelle kommt eine Komponente ins Spiel, die meine Arbeit als Mitglied des Kriseninterventionsteams maßgeblich prägt: Ich bin selbst von ADHS betroffen. Was in der Schule oder im Büroalltag oft als Schwäche oder Störung eingestuft wird, verwandelt sich in einer hochexplosiven Krisensituation in meine größte Stärke. Ich kenne das Gefühl, wenn die Welt ungefiltert auf einen einstürzt. Ich kenne das innere Rauschen, die blitzschnelle Reizverarbeitung und die körperliche Unruhe aus eigener Erfahrung.

Wenn ich den Raum betrete, in dem ein jugendlicher Systemsprenger tobt, nimmt mein Gehirn die Situation anders wahr als das eines neurotypischen Menschen. Ich verharre nicht in Schockstarre, und ich scanne nicht nur die offensichtliche Gefahr. Ich nehme die Atemfrequenz des Jugendlichen wahr, das feine Zittern in seinen Händen, das Verengen seiner Pupillen, das Geräusch des Windes an der Fensterscheibe und die feinen Schwingungen der Körpersprache. Mein ADHS erlaubt mir im Krisenherd eine Form der Multikanal-Wahrnehmung, die blitzschnell Muster erkennt. Ich spüre, wann der Höhepunkt der Erregung überschritten ist und wann das Zeitfenster für verbalen Zugang aufglimmt. Diese Identifikation ist frei von Mitleid, aber getränkt mit tiefer Empathie. Jonas spürte in dieser Nacht an der Ostsee innerhalb von Sekunden, dass ihm kein Polizist und kein überforderter Erzieher gegenüberstand, sondern jemand, der das Unwetter in seinem Kopf aus eigener Anschauung versteht.

SOLSYSTEM und SOLPROTECT: Das Doppelbündnis aus Struktur und Sicherheit

Die Arbeit der SOLSYSTEM Strukturkompetenz GmbH basiert auf einem klaren Grundsatz: Sicherheit ist die Grundvoraussetzung für Pädagogik, und Struktur ist die einzige Medizin gegen das innere Chaos verhaltensorigineller Jugendlicher. Um im Hochrisiko-Setting verlässlich Standzuhalten, haben wir ein System entwickelt, das pädagogische Haltekraft mit professionellen Sicherheitskonzepten für Minderjährige verbindet.

Warum es vor der Ruhe erst unruhig wird: Die psychologische Dynamik der Testphase

Wenn Jugendämter oder der ASD ein fremdgefährdendes Kind in eine unserer Intensivmaßnahmen vermitteln, erklären wir den beteiligten Fachkräften im Hilfeplangespräch nach § 36 SGB VIII stets eine unbequeme Wahrheit: Bevor die Lage stabil wird, wird sie in der Regel erst einmal deutlich unruhiger. Dies ist kein Zeichen des Scheiterns der Maßnahme, sondern ein Gesetz der Tiefenpädagogik.

Jugendliche, die jahrelange Beziehungsabbrüche hinter sich haben, besitzen ein extrem hohes Misstrauen gegenüber jedem neuen Hilfsangebot. Sie treten in die sogenannte Testphase ein. Unbewusst projizieren sie ihre gesamte gesammelte Wut, ihre Enttäuschung und ihre Angst auf die neuen Betreuer. Sie provozieren Vorfälle, werden verbal grenzüberschreitend und schließlich akut fremdgefährdend. Sie tun dies aus einem einzigen Grund: Sie müssen die Belastungsgrenze des Systems testen. Sie wollen wissen, ob dieser Träger wirklich stehen bleibt, wenn es hässlich wird, oder ob auch wir nur so lange da sind, wie sie brav funktionieren. Wenn das Betreuungssystem diese Testphase aushält, ohne den Jugendlichen wegzuschicken oder die Maßnahme abzubrechen, geschieht das, was wir bei SOLSYSTEM als das Wendeblatt bezeichnen. Das Nervensystem des Jugendlichen registriert zum ersten Mal in seinem Leben: Hier ist eine Grenze, aber kein Abbruch. Hier ist Halt. Erst aus dieser Erkenntnis heraus kann nachhaltige Ruhe einkehren.

Der Strukturhelfer als verlässliches Schild: Haltekraft im 1:1 und 2:1 Risiko-Setting

Um diese physische und emotionale Haltekraft im Alltag eines ISE-Reiseprojekts oder eines stationären Risiko-Settings zu gewährleisten, setzen wir auf das Konzept des geschulten Strukturhelfers. Unsere Strukturhelfer sind Persönlichkeiten, die durch intensive interne Schulungen auf den Umgang mit hochgradig dekompensierenden Jugendlichen vorbereitet wurden. In besonders kritischen Fällen arbeiten wir in einem maßgeschneiderten 2:1-Setting, bei dem zwei Betreuungskräfte rund um die Uhr für einen einzelnen Jugendlichen da sind.

Der Strukturhelfer fungiert als externes Nervensystem für den Jugendlichen. Er gibt durch klare, visuelle und zeitliche Strukturen den Halt vor, den der Jugendliche in seinem Inneren nicht erzeugen kann. Er ist das verlässliche Schild gegen die Reizüberflutung. Er sorgt dafür, dass Regeln nicht als Willkür, sondern als schützende Leitplanken wahrgenommen werden. Wenn ein Strukturhelfer in einem 2:1-Setting arbeitet, schützt das zudem das Team vor Burnout und sekundärer Traumatisierung. Die Betreuer können sich abwechseln, durchatmen und somit kontinuierlich mit hoher professioneller Präsenz im Raum stehen.

Justin Schablewski und das Kriseninterventionsteam: Professionelle Deeskalation statt Hilflosigkeit

Wenn die Dynamik trotz aller pädagogischen Struktur kippt und ein Jugendlicher massiv fremdgefährdend wird, greift das von uns entwickelte Konzept SOLPROTECT. Als Mitglied des Kriseninterventionsteams habe ich zusammen mit Experten Module erarbeitet, die weit über das hinausgehen, was in standardisierten pädagogischen Ausbildungen gelehrt wird.

SOLPROTECT vereinigt gewaltfreie Deeskalation nach den neuesten Erkenntnissen der Traumapädagogik mit rechtssicheren, hochspezialisierten Halte- und Begleittechniken. Wenn unser Kriseninterventionsteam gerufen wird oder vor Ort agiert, geht es niemals um Bestrafung, Unterwerfung oder die Anwendung von Schmerzreizen. Ziel von SOLPROTECT ist die sofortige, verletzungsfreie Entschärfung von Gefahrensituationen. Wir nutzen die Bewegungsenergie des Ausbrechenden, um ihn sanft, aber absolut bestimmt zu fixieren oder abzuschirmen, bis die neurobiologische Sturmwelle im Gehirn abflacht. Wir bieten körperliche Haltekraft in dem Moment, in dem der Jugendliche den Halt über sich selbst verloren hat.

In jener Nacht an der Ostsee nutzte ich genau diese Prinzipien. Ich ging nicht direkt auf Jonas zu. Ich reduzierte mein eigenes Körpervolumen, senkte meine Stimme in eine Frequenz, die beruhigend auf das Stammhirn wirkt, und gab ihm klare, einfache Handlungsoptionen. Ich verlangte nicht, dass er sofort das Werkzeug ablegte, sondern bot ihm an, es auf einen neutralen Tisch zu legen, um mir zu zeigen, dass wir miteinander sprechen können. Es dauerte vierzig Minuten. Vierzig Minuten, in denen jede Sekunde von höchster Konzentration geprägt war. Schließlich legte Jonas das Werkzeug ab, brach auf dem Boden zusammen und weinte wie ein kleines Kind. Das war der Moment, in dem das Kriseninterventionsteam zurückwich und der Pädagoge übernahm. Das war die Geburtsstunde des Wendeblatts in Jonas‘ Leben.

Die unsichtbare Säule im Hintergrund: Wie Linda Potthof das Familiensystem stabilisiert

Eine Intensivmaßnahme im Risiko-Setting für einen fremdgefährdenden Jugendlichen kann niemals isoliert vom Herkunftssystem betrachtet werden. Während ich mit den Teams an der vordersten Front im Einsatz bin und Marcel Potthof die strategische Leitung der SOLSYSTEM Strukturkompetenz GmbH verantwortet, wirkt im Hintergrund eine Säule, die für den nachhaltigen Erfolg unserer Arbeit unverzichtbar ist: Linda Potthof.

Linda Potthof ist nicht nur Buchautorin und gefragte Speakerin für das Thema ADHS und Familienorganisation, sondern sie ist die empathische Gestalterin der Elternebene in unserem Träger. Wenn ein Kind zum Systemsprenger wird und wegen Fremdgefährdung in einem ISE-Reiseprojekt platziert werden muss, hinterlässt das bei den Eltern Trümmerfelder aus Schuldgefühlen, Scham und jahrelanger Überforderung. Oft haben diese Eltern Dutzende von Vorwürfen durch Institutionen, Schulen und Ämter hinter sich. Sie befinden sich in einem Zustand chronischer Erschöpfung.

Linda greift dieses isolierte Familiensystem auf. Während das Kind im Ostsee-Projekt oder in der Intensivbetreuung lernt, Grenzen zu akzeptieren, arbeitet Linda im Hintergrund intensiv mit den Eltern. Sie führt strukturierte Eltern-Coachings durch, nimmt den Druck aus den verfahrenen Familiendynamiken und vermittelt ein tiefes Verständnis für die neurobiologischen Besonderheiten von ADHS und Bipolarität. Sie gibt den Müttern und Vätern konkrete Werkzeuge an die Hand, wie sie ihren eigenen Stress regulieren und aus der Ohnmacht herausfinden können. Dieser parallele Prozess stellt sicher, dass der Jugendliche nach der Maßnahme nicht in das alte, überforderte Muster zurückkehrt, sondern auf ein gestärktes, strukturiertes Elternhaus trifft. Ohne diese systemische Stabilisierung durch Linda wäre jede Pädagogik am Jugendlichen nur eine halbe Sache.

Betriebswirtschaftliche Evidenz für Kommunen: Haltbarmachen spart Millionen

Als Träger von Hochrisiko-Settings werden wir gelegentlich mit den Kosten konfrontiert, die ein spezialisiertes 2:1-Setting oder ein intensivpädagogisches ISE-Reiseprojekt verursacht. Fachleistungsstunden, der Einsatz unseres Kriseninterventionsteams, die permanente Rufbereitschaft und die Bereitstellung geschulter Strukturhelfer schlagen in den Budgets der Jugendämter zu Buche. Doch eine rein statische Betrachtung der monatlichen Fachleistungssätze greift betriebswirtschaftlich und kommunalfinanziell viel zu kurz.

Das sogenannte Haltbarmachen eines Jugendlichen durch eine verlässliche Intensivmaßnahme spart den Kommunen auf mittlere und lange Sicht immense finanzielle Mittel. Betrachten wir den typischen Karriereverlauf eines unversorgten, fremdgefährdenden Systemsprengers: Nach dem Abbruch einer Regelmaßnahme folgen monatelange Unterbringungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Tagessätze einer KJP liegen ein Vielfaches über den Sätzen einer ISE-Maßnahme. Es entstehen Klinkschleifen, bei denen der Jugendliche nach wenigen Wochen entlassen wird, nur um nach der nächsten Fremdgefährdung erneut per Polizeieinsatz eingewiesen zu werden.

Kommt es durch die unbehandelte Fremdgefährdung zu schweren Straftaten, Körperverletzungen oder Sachbeschädigungen, treten Jugendgerichtsgesetz (JGG), Jugendarrest und schließlich die Unterbringung in der Jugendstrafvollzugsanstalt oder geschlossenen Heimen in Kraft. Die gesellschaftlichen Folgekosten, die durch Sachschäden, Polizeieinsätze, Justizverfahren, Dauerbetreuung im Erwachsenenalter nach SGB XII oder Eingliederungshilfe nach SGB IX entstehen, gehen rasch in die Millionenhöhe pro Einzelfall. Ganz zu schweigen von den immensen Haftungsrisiken für Jugendamtsleiter und ASD-Mitarbeiter, wenn ein ungenügend gesicherter Jugendlicher Dritte schwer schädigt.

Eine hochintensive, zeitlich befristete 2:1-Maßnahme bei SOLSYSTEM, die den Jugendlichen nachhaltig stabilisiert, seine Schul- und Ausbildungsausgliederung umkehrt und ihn wieder in ein Regelsystem oder eine Verselbstständigung überführt, ist die wirtschaftlich klügste Investition, die ein Kostenträger tätigen kann. Es ist der Wechsel von teurer Schadensverwaltung hin zu zielgerichteter Humankapital-Entwicklung.

Das rechtliche Fundament: Rechtssicherheit nach SGB VIII in Ausnahmezuständen

Die Betreuung von fremdgefährdenden Jugendlichen im Hochrisiko-Setting bewegt sich in einem hochsensiblen juristischen Raum. Wer als Träger in Krisen agiert, muss rechtlich absolut sattelfest sein. Nur so lässt sich der Schutz des Jugendlichen, der Schutz der Mitarbeiter und die Rechtssicherheit für das entsendende Jugendamt garantieren.

Das Fundament unserer Arbeit bildet die Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung nach § 35 SGB VIII. Diese Gesetzesnorm ist vom Gesetzgeber bewusst als flexibel gestaltbare, hochintensive Hilfeform konzipiert worden, um Jugendlichen, die von anderen Jugendhilfeangeboten nicht mehr erreicht werden, eine passgenaue Unterstützung zu bieten. Wenn bei dem Jugendlichen eine seelische Behinderung oder die Drohung einer solchen aufgrund seiner Diagnosen (z. B. ADHS, Bipolarität, Bindungsstörung) vorliegt, verknüpfen wir die Hilfe fachlich präzise mit der Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII.

In Akutsituationen, in denen ein Jugendlicher aus einer bestehenden Einrichtung flieht oder dort nach einer schweren Fremdgefährdung fristlos ausgeschlossen wird, greift vorübergehend die Inobhutnahme nach § 42 SGB VIII. Wir unterstützen Jugendämter in diesen Notlagen durch das schnelle Bereitstellen von Notfall-Kapazitäten im 2:1-Setting, um den Übergang in eine geplante Hilfe nach § 27 in Verbindung mit § 35 SGB VIII nahtlos zu gestalten.

Bezüglich der Anwendung von Deeskalation und physischer Haltekraft im Rahmen von SOLPROTECT bewegen wir uns strikt im Rahmen des Notwehrs (§ 32 StGB), des rechtfertigenden Notstands (§ 34 StGB) sowie der zivilrechtlichen Schutzpflichten nach § 1631 BGB. Als zertifizierte InsOFA-Fachkraft wache ich persönlich darüber, dass jede körperliche Intervention lückenlos dokumentiert, im Team nachbesprochen und im Sinne des § 8a SGB VIII (Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung) evaluiert wird. Freiheitsentziehende Maßnahmen oder schmerzhafte Grifftechniken sind in unserem Konzept kategorisch ausgeschlossen. Wir agieren im Rahmen des gesetzlichen Erziehungsauftrags mit dem Ziel der Deeskalation und Gefahrenabwehr.

Fazit: Eine professionelle Hand im dunkelsten Moment

Wenn ich an Jonas zurückdenke, der heute, zwei Jahre nach jener denkwürdigen Nacht an der Ostsee, eine Ausbildung zum Tischler absolviert und in einer betreuten Wohnform lebt, weiß ich, warum wir diese Arbeit machen. Der Weg dorthin war nicht geradlinig. Es gab weitere Erschütterungen, weitere Momente, in denen das System ins Wanken geriet. Aber wir sind stehen geblieben. Wir haben den Beziehungsabbruch verweigert.

An alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ASD, an alle Vormünder, Richter und Kolleginnen in den Jugendämtern, die diesen Text lesen und vielleicht gerade in diesem Moment die Akte eines Jugendlichen auf dem Tisch liegen haben, der als unbetreubar gilt und für den Sie verzweifelt einen freien Platz suchen: Geben Sie diesen jungen Menschen nicht auf. Wenn Pädagogik an ihre Grenzen stößt und das Setting gefährlich wird, braucht es keine Kapitulation, sondern die richtige Strukturkompetenz. Wir bei der SOLSYSTEM Strukturkompetenz GmbH stehen mit unserem Kriseninterventionsteam, geschulten Strukturhelfern und fundierten Sicherheitskonzepten bereit, um genau an dieser Kante Verantwortung zu übernehmen. Es gibt immer einen Weg zurück ins Leben. Manchmal muss man ihn nur gemeinsam durch den Sturm bahnen.

Wir sind da wenn andere Aufgeben

Persönliches Fazit von Marcel Potthof

Wenn ich die Berichte meines Sohnes Justin Schablewski aus den Kriseneinsätzen lese, erfüllt mich das mit zweierlei Gefühlen: tiefem Respekt vor der Härte dieser Arbeit und unerschütterlicher Hoffnung für die Kinder und Jugendlichen, die von allen anderen bereits aufgegeben wurden. Als Gründer der SOLSYSTEM Strukturkompetenz GmbH, Ehemann von Linda und Vater habe ich unseren Träger auf dem Fundament aufgebaut, dass kein Mensch Hoffnungslosigkeit verdient. Ein fremdgefährdender Jugendlicher ist kein Müll des Systems, sondern ein zutiefst verletzter Mensch, dessen Wut der letzte Schrei nach Halt ist. Wir haben gelernt, diesem Schrei nicht mit Angst oder Ausschluss zu begegnen, sondern mit unerschütterlicher Struktur, Liebe und Sicherheit. Wenn wir als Träger Standhalten, gibt das den Jugendämtern die Sicherheit zurück, die sie für ihre Arbeit brauchen. Es gibt für jeden Fall eine Lösung – man muss nur den Mut haben, sie einzugehen.

Zusammen finden wir einen Weg und vielleicht sogar einen neuen Menschen

Wenn Sie als Jugendamt, Einrichtung oder ASD vor einem Hilfeverlauf stehen, der festgefahren scheint, lohnt sich oft ein neuer Blick auf den Fall. Manchmal braucht es keine neue Maßnahme, sondern einen neuen Ansatz. Wir bieten spezialisierte 2:1-Settings, Krisenintervention und ISE-Reiseprojekte für komplexeste Fälle. Nehmen Sie unverbindlich Kontakt zu uns auf – wir prüfen gemeinsam und auf Augenhöhe, wie wir sofortige Entlastung schaffen können.

Wie schnell kann das Kriseninterventionsteam von SOLSYSTEM bei akuter Fremdgefährdung reagieren?

Unser Kriseninterventionsteam unter der Leitung von Justin Schablewski ist auf Akutsituationen spezialisiert. Im Rahmen bestehender Anfragen oder bei akuter Platznot können wir innerhalb von 24 bis 48 Stunden Erstmaßnahmen koordinieren und spezialisierte Betreuungsschlüssel (1:1 oder 2:1) mobilisieren.

Welche formalen Voraussetzungen sind für eine Fallanfrage bei einem fremdgefährdenden Jugendlichen nötig?

Für eine fundierte Ersteinschätzung benötigen wir die aktuellen Berichte des ASD, vorliegende diagnostische Gutachten (z. B. zu ADHS, Bipolarität, Bindungsstörungen) sowie eine ehrliche Schilderung der bisherigen Eskalationsverläufe. Wir prüfen die Durchführbarkeit innerhalb von wenigen Stunden.

Haben Sie aktuell einen freien Platz für ein fremdgefährdendes Kind im ISE-Reiseprojekt?

Da wir im Bereich der Hochrisiko-Settings individuellen Vorrang vor Massenbetreuung gewähren, steuern wir Kapazitäten dynamisch. Wir halten kontinuierlich flexible Kontingente für intensivpädagogische Einzelbetreuung im In- und Ausland bereit. Eine direkte Anfrage lohnt sich immer, um tagesaktuelle Optionen zu klären.

Wie unterscheidet sich der Ansatz von SOLPROTECT von herkömmlichen Sicherheitsdiensten?

SOLPROTECT setzt keine externen Security-Kräfte ein. Es handelt sich um ein intern entwickeltes pädagogisch-traumazentriertes Deeskalations- und Sicherheitskonzept. Alle intervenierenden Kräften sind geschulte Fachkräfte, die Deeskalation, gewaltfreie Halteformen und Traumapädagogik nahtlos miteinander verbinden.

Wer trägt die Kosten für ein 2:1 Hochrisiko-Setting nach § 35 SGB VIII?

Die Kostenträgerschaft liegt beim zuständigen Jugendamt im Rahmen der Hilfe zur Erziehung nach § 27 i. V. m. § 35 oder § 35a SGB VIII. Wir erstellen transparente, leistungsgerechte Fachleistungsstunden-Kalkulationen, die den extremen Betreuungsschlüssel und die Sicherheitsinfrastruktur rechtssicher abbilden.