ISE-Betreuung: Der erste Tag beim Abholen des Kindes

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ISE-Betreuung: Der erste Tag beim Abholen des Kindes

Beitragsauszug (Teaser): Wenn das Jugendamt die Reißleine zieht und eine intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung (ISE) anordnet, steht am Anfang immer derselbe, hochemotionale Moment: das Abholen des Kindes. Hinter den Betroffenen liegen oft Jahre voller Klinkschleifen, Beziehungsabbrüche und akuter Krisen. Für die Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) und den Familiengerichten ist es eine Gratwanderung zwischen Kindeswohl und Systemgrenzen; für die Eltern der absolute Tiefpunkt ihrer Ohnmacht. Dieser Artikel nimmt Sie mit hinter die Kulissen dieses entscheidenden ersten Tages. Geschrieben aus der direkten Praxis eines Akut-Betreuers, beleuchtet dieser Deep-Dive die neurobiologischen, bindungstheoretischen und rechtlichen Dynamiken im Hochrisiko-Setting. Erfahren Sie, wie durch das Zusammenspiel von SOLSYSTEM und SOLPROTECT aus absolutem Kontrollverlust wieder Halt, Struktur und Sicherheit erwachsen. Ein Plädoyer für neue Wege in der Jugendhilfe.

Der Schlüsselmoment: Wenn das System an seine Grenzen stößt

Es ist vier Uhr morgens, als das Telefon klingelt. Das Display zeigt keine Nummer, aber in unserem Metier weiß man auch so, wer am anderen Ende der Leitung sitzt. Es ist der Bereitschaftsdienst des Jugendamtes. Am Apparat ist eine hörbar erschöpfte Kollegin des ASD. Seit Stunden versucht sie, einen vierzehnjährigen Jungen zu beruhigen, der die Einrichtung der Inobhutnahmestelle zerlegt hat. Die Polizei war bereits da. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie lehnt die Aufnahme ab, da keine akute medizinische Indikation vorliegt, sondern eine chronische Verhaltensauffälligkeit. Der Jugendliche ist systemsprengend, selbst- und fremdgefährdend, leidet unter schwerem ADHS und einer ausgeprägten Bindungsstörung. Das System ist an diesem Punkt am Ende seiner klassischen Möglichkeiten angelangt. Genau hier beginnt die Arbeit der intensiven sozialpädagogische Einzelbetreuung (ISE).

Wenn wir wenige Stunden später die Ausrüstung packen und uns auf den Weg machen, um dieses Kind zum ersten Mal abzuholen, tun wir das nicht mit dem Gestus des Besserwissers. Wir tun es mit dem Wissen, dass dieser erste Tag der Grundstein für alles Weitere ist. Das Abholen ist kein logistischer Akt. Es ist eine hochsensible psychologische Intervention. In dem Moment, in dem wir das Zimmer des Jugendlichen betreten, treffen Welten aufeinander. Auf der einen Seite steht ein junger Mensch, der in seinem bisherigen Leben gelernt hat, dass Beziehungen gefährlich sind und Erwachsene ihn am Ende immer im Stich lassen. Auf der anderen Seite stehen wir, die dem Jugendlichen signalisieren müssen, dass wir bleiben, egal wie laut, aggressiv oder abweisend er sich verhält.

Für die Mitarbeiter der Jugendämter und des ASD ist dieser Moment oft mit einer immensen Erleichterung, aber auch mit Sorge verbunden. Sie tragen die Letztverantwortung für das Kindeswohl nach dem SGB VIII. Sie haben in den Wochen zuvor in Hilfeplangesprächen um Haushaltsmittel gerungen, Berichte geschrieben und familiengerichtliche Beschlüsse erwirkt. Wenn wir den Jugendlichen schließlich in Empfang nehmen, geht die operative Verantwortung in unsere Hände über. Das Ziel dieses Tages ist nicht, dass das Kind uns sofort vertraut. Das wäre bei einer schweren Bindungsstörung völlig unrealistisch. Das Ziel ist einzig und allein, den Tag ohne physische oder psychische Eskalation zu überstehen und dem Jugendlichen zu zeigen, dass seine bisherigen Strategien der Beziehungszerstörung bei uns ins Leere laufen.

Das neurobiologische Pulverfass: Diagnosen im Ausnahmezustand

Um zu verstehen, was im Kopf eines Jugendlichen in diesem Moment vorgeht, muss man die neurobiologischen Abläufe betrachten. Ein Kind mit der Kombination aus ADHS, einer schweren Bindungsstörung und einer Historie von Schulverweigerung befindet sich beim Eintreffen der Betreuer im permanenten Überlebensmodus. Das Gehirn läuft auf Hochtouren, die Amygdala – das Alarmzentrum des Gehirns – feuert ohne Unterlass. Für diese Jugendlichen bedeutet jede Veränderung eine existenzielle Bedrohung. Ihr Nervensystem kennt nur drei Reaktionen: Kampf, Flucht oder Erstarrung. Wenn wir den Raum betreten, sehen wir oft ein aggressives, hochgerüstetes Verhalten, das sich in Fremdgefährdung äußert. In Wahrheit sehen wir jedoch die pure nackte Angst eines traumatisierten Kindes.

Als jemand, der selbst mit ADHS lebt, kenne ich diese Reizüberflutung im Kopf aus eigener Erfahrung. Es ist kein Mangel an Aufmerksamkeit, es ist eine Unfähigkeit, Reize zu filtern. Wenn dann noch der akute Stress des Beziehungsabbruchs und des Umzugs in eine neue ISE-Maßnahme hinzukommt, bricht das mühsam aufrechterhaltene psychische Gleichgewicht komplett zusammen. Der Jugendliche kann in diesem Zustand keine rationalen Argumente aufnehmen. Sätze wie „Wir wollen dir nur helfen“ oder „Es wird alles gut“ verpuffen nicht nur, sie können die Aggression sogar noch verstärken, weil sie als manipulative Lüge interpretiert werden.

Die Traumapädagogik lehrt uns, dass in dieser Phase primär die Co-Regulation des Nervensystems durch den Betreuer stattfinden muss. Wir müssen die Ruhe sein, die das Kind selbst nicht aufbringen kann. Das bedeutet: tiefe, ruhige Atmung, eine offene, aber deeskalierende Körpersprache und eine klare, schnörkellose Sprache. Jede unbedachte Bewegung, jedes zu laute Wort kann das Pulverfass zur Explosion bringen. Wir begegnen dem Jugendlichen auf Augenhöhe, aber mit einer unerschütterlichen inneren Haltung. Wir wissen, dass die gezeigte Schulverweigerung und die Delinquenz der Vergangenheit nur die Symptome einer tiefen inneren Haltlosigkeit sind, der wir nun mit Struktur begegnen müssen.

Die Ankunft am Abholort: Beziehungsarbeit auf dem Millimeterpapier

Die ersten Minuten am Abholort gleichen einer Operation am offenen Herzen der Beziehungsarbeit. Meistens ist die Szenerie von einer spürbaren Elektrizität geladen. Die Eltern sitzen oft weinend in der Küche, zutiefst verzweifelt und geplagt von massiven Schuldgefühlen. Der ASD-Mitarbeiter versucht, die rechtlichen Formalitäten zu klären, während der Jugendliche sich in seinem Zimmer verbarrikadiert hat oder provokant im Flur steht, bereit zum verbalen oder physischen Schlag. In dieser Situation ist der Betreuer als Mediator und Krisenmanager gefordert. Der erste Eindruck entscheidet darüber, ob der Jugendliche überhaupt bereit ist, in das Auto zu steigen.

Wir beginnen die Kontaktaufnahme niemals mit einer Forderung. Wir stellen uns vor, erklären kurz und sachlich, wer wir sind und was jetzt passiert. Dabei vermeiden wir jeglichen Druck. Wenn der Jugendliche sagt, er kommt nicht mit, kontern wir das nicht mit der Androhung von Konsequenzen oder polizeilicher Amtshilfe, sondern mit Gelassenheit. Wir spiegeln ihm seine Emotionen: „Ich sehe, dass du verdammt sauer bist und am liebsten alles kurz und klein schlagen würdest. Das ist völlig okay. Aber wir fliegen heute nicht zum Mond, wir fahren in dein neues Zuhause, und ich bleibe so lange hier sitzen, bis du so weit bist.“ Diese unerwartete Entlastung nimmt dem Jugendlichen den Wind aus den Segeln. Seine gelernten Muster greifen nicht mehr.

Das Packen der Sachen ist der nächste kritische Schritt. Oft besitzen diese Kinder nicht mehr als zwei Sporttaschen voller hastig zusammengestellter Habseligkeiten – der traurige Überrest mehrerer gescheiterter Heimunterbringungen. Wir behandeln diese Gegenstände mit dem größten Respekt, denn sie sind das Einzige, was dem Jugendlichen in dieser Sekunde noch Identität und Halt gibt. Während wir die Taschen zum Auto tragen, achten wir penibel auf die räumliche Distanz. Wir rücken dem Jugendlichen nicht auf den Pelz, lassen ihm Fluchtwege offen und signalisieren physische Sicherheit. Das Auto selbst ist vorbereitet: keine laute Musik, keine störenden Reize, sondern ein neutraler, sicherer Ort, der den Übergang in den neuen Lebensabschnitt markiert.

Das Dreiecksverhältnis der Stabilisierung: Die unersetzbare Rolle von Linda Potthof

Während wir an der vordersten Front der Krise arbeiten und das Kind aus der akuten Situation herauslösen, läuft im Hintergrund ein ebenso entscheidender Prozess ab. Eine nachhaltige ISE-Betreuung kann nur dann gelingen, wenn das Gesamtsystem der Familie mitgenommen wird. Hier kommt meine Ehefrau Linda Potthof ins Spiel. Als ausgewiesene Expertin für Elternarbeit, ADHS-Spezialistin und Buchautorin bildet sie die zweite, unverzichtbare Säule unseres Ansatzes. Während das Kind mit uns im Auto sitzt und den Weg in die neue Struktur antritt, übernimmt Linda die Stabilisierung der zurückbleibenden Eltern.

Verzweifelte Eltern neigen in diesem Moment der Trennung zu extremen Ambivalenzen. Einerseits sind sie erleichtert, dass die permanente Überforderung und die Angst vor der Fremd- oder Selbstgefährdung des Kindes vorerst ein Ende haben. Andererseits empfinden sie das Abholen des Kindes als das ultimative persönliche Versagen. Sie haben Angst vor der Verurteilung durch das Jugendamt und die Gesellschaft. Linda coacht die Eltern in dieser akuten Phase mit einer tiefen, fachlichen Empathie. Sie nimmt den Druck aus dem Kessel, erklärt die neurobiologischen Hintergründe des kindlichen Verhaltens und vermittelt den Eltern, dass die ISE-Maßnahme keine Strafe, sondern eine dringend notwendige Entlastung für alle Beteiligten ist.

Diese parallele Arbeit ist von unschätzbarem Wert für den späteren Erfolg der Maßnahme. Wenn die Eltern durch Lindas Arbeit lernen, die Dynamiken zu verstehen und das Verhalten ihres Kindes nicht mehr als persönlichen Angriff zu werten, können sie die Maßnahme aktiv unterstützen, anstatt sie unbewusst zu sabotieren. Es entsteht ein stabiles Dreiecksverhältnis aus den Betreuern vor Ort, den Eltern im Hintergrund und dem Jugendlichen in der Mitte. Diese lückenlose systemische Verzahnung sorgt dafür, dass der Jugendliche auch bei Telefonaten mit den Eltern keine Spaltpilze setzen kann, da alle Akteure an einem Strang ziehen und dieselbe Sprache der Struktur sprechen.

Vom Kontrollverlust zur Strukturkompetenz: Das Zusammenspiel von SOLSYSTEM und SOLPROTECT

In den ersten Tagen einer neuen ISE-Maßnahme prallt der gewohnte Kontrollverlust des Jugendlichen auf die unnachgiebige, aber liebevolle Strukturkompetenz der SOLSYSTEM Strukturkompetenz GmbH. Unser Konzept basiert darauf, dem Jugendlichen ein äußeres Gerüst zu bieten, da sein inneres Gerüst komplett kollabiert ist. Das erreichen wir durch den Einsatz von speziell geschulten Strukturhelfern, die den Jugendlichen im Alltag im Eins-zu-Eins-Setting begleiten. Struktur bedeutet hierbei nicht starre Härte, sondern verlässliche Vorhersehbarkeit. Jeder Tag, jede Mahlzeit, jede Aktivität folgt einem klaren, visualisierten Ablauf, der dem reizüberfluteten Gehirn des Jugendlichen die nötige Entlastung bietet.

Da wir uns im Hochrisiko-Setting bewegen, greift bei akuten Eskalationsspitzen nahtlos das Sicherheitskonzept der SOLPROTECT-Schutz GmbH. Es wäre blauäugig zu glauben, dass eine schwere Bindungsstörung und ausgeprägte Fremdgefährdung allein durch pädagogisches Zureden bewältigt werden können. Wenn der Jugendliche in der sogenannten Testphase versucht, die Maßnahme durch massive körperliche Aggression oder Fluchtversuche zu sprengen, tritt unser Kriseninterventionsteam auf den Plan. Diese Mitarbeiter sind meisterhaft in der gewaltfreien Deeskalation geschult. Sie schützen den Jugendlichen vor sich selbst und sichern das Umfeld, ohne dabei in alte, strafende Muster zu verfallen.

Dieses Zusammenspiel ist einzigartig: SOLSYSTEM baut die pädagogische Struktur auf, während SOLPROTECT den sicheren Rahmen dafür garantiert. Der Jugendliche erfährt dadurch eine fundamentale neue Lebenserfahrung: Er kann seine Wut und seinen Hass komplett herausschleudern, er kann versuchen zu zerstören – aber der Rahmen hält. Wir gehen nicht weg. Wir schicken ihn nicht in die nächste Klinik. Wir halten stand. Diese verlässliche Haltekraft führt nach einer ersten, oft heftigen Sturm- und Drangphase fast immer zu einer tiefen inneren Beruhigung beim Jugendlichen. Er merkt, dass er die Kontrolle abgeben kann, weil da jemand ist, der stark genug ist, diese Kontrolle stellvertretend und sicher zu führen.

Die Ökonomie der Intensivbetreuung: Warum Qualität am Anfang Kommunen Millionen spart

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht und mit meiner jahrzehntelangen Erfahrung in der Steuerung von Projekten müssen wir über die harten Zahlen der Jugendhilfe sprechen. Eine hochgradig spezialisierte ISE-Maßnahme im Eins-zu-Eins-Setting ist im ersten Moment unbestreitbar eine kostenintensive Leistung für den kommunalen Haushalt. Wenn Jugendämter und ASD-Leitungen die Tagessätze sehen, schlucken sie verständlicherweise erst einmal. Doch diese Betrachtung ist kurzsichtig. Die wahre ökonomische Evidenz offenbart sich, wenn man die Kosten über den gesamten Lebenslauf des Jugendlichen und die Vermeidung von Fehlallokationen im System berechnet.

Kinder im Hochrisiko-Setting, die keine passgenaue, hochstruktursichere Hilfe erhalten, geraten fast linear in eine verhängnisvolle und extrem teure Abbruchspirale. Sie wechseln im Jahrestakt zwischen Regelwohngruppen, geschlossenen Unterbringungen, teuren Klinkschleifen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und schlussendlich Justizvollzugsanstalten. Jedes dieser Scheitern kostet die Kommunen Unmengen an Geld, bindet massive personelle Ressourcen im ASD und hinterlässt einen jungen Menschen, der für den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft dauerhaft verloren geht. Eine abgebrochene Maßnahme ist die teuerste Maßnahme überhaupt.

Wenn eine Verwaltung von Anfang an auf die Expertise von SOLSYSTEM setzt, investiert sie in Nachhaltigkeit. Durch unsere Haltekraft vermeiden wir diese Abbrüche. Wir fangen den Jugendlichen da auf, wo andere aufgeben. Dadurch verkürzt sich die Gesamtdauer der intensiven Hilfe oft signifikant, da wir schneller an den Kern der Problematik herankommen und den Jugendlichen stabilisieren können. Die Kosten für ein bis zwei Jahre einer funktionierenden, hochspezialisierten ISE-Maßnahme sind nur ein Bruchteil dessen, was eine jahrzehntelange Karriere in geschlossenen Systemen und der anschließenden Erwachsenenhilfe den Steuerzahler kosten würde. Qualität in der Jugendhilfe ist somit kein Luxus, sondern gelebte fiskalische Verantwortung.

Der juristische Schutzwall: Die Verankerung im SGB VIII

Eine professionelle und jugendamttaugliche ISE-Maßnahme darf sich niemals im luftleeren Raum bewegen. Sie braucht ein unumstößliches Fundament im Sozialgesetzbuch. Unsere Arbeit am ersten Tag des Abholens und im gesamten weiteren Verlauf ist rechtlich präzise austariert und schützt sowohl den Klienten als auch die vermittelnde Behörde vor Haftungsrisiken. Die primäre gesetzliche Grundlage für die intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung ist der § 35 SGB VIII. Dieser Paragraph ist explizit für Jugendliche konzipiert, die intensive Unterstützung zur sozialen Integration und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung benötigen.

Darüber hinaus greift bei der von uns beschriebenen Zielgruppe fast immer der § 35a SGB VIII, der die Eingliederungshilfe für seelisch behinderte oder von einer solchen Behinderung bedrohte Kinder und Jugendliche regelt. Die schwere Bindungsstörung, das ADHS und die daraus resultierende Schulverweigerung sind in der Praxis die klassischen Indikatoren für eine drohende oder bereits eingetretene seelische Behinderung. Wenn wir den Jugendlichen abholen, tun wir dies im Rahmen des zuvor im Hilfeplanverfahren nach § 36 SGB VIII gemeinsam mit dem ASD, den Eltern und dem Jugendlichen festgelegten Auftrags. Dieser Hilfeplan ist für uns das rechtlich bindende Arbeitsbuch.

In Akutsituationen, in denen das Familiengericht bereits die elterliche Sorge in Teilen oder ganz entzogen hat, bewegen wir uns zudem im Kontext des § 27 SGB VIII (Hilfe zur Erziehung) in Verbindung mit gerichtlichen Auflagen. Sollte der erste Tag des Abholens aus einer akuten Krisensituation heraus als Anschlussmaßnahme an eine vorangegangene Inobhutnahme nach § 42 SGB VIII erfolgen, stellen wir sicher, dass alle Übergänge lückenlos dokumentiert und rechtlich abgesichert sind. Diese tiefe Verankerung im Gesetz gewährt den ASD-Mitarbeitern und den Familiengerichten die absolute Sicherheit, dass sie mit einem Träger zusammenarbeiten, der die Sprache des Gesetzes nicht nur versteht, sondern sie in der Praxis rechtssicher exekutiert.

Die Testphase: Warum es erst laut werden muss, bevor Ruhe einkehren kann

Nachdem der erste Tag des Abholens geschafft ist und der Jugendliche in seiner neuen Umgebung angekommen ist, beginnt für das Betreuerteam die eigentliche psychologische Arbeit. Wir wissen aus Erfahrung, dass nach einer kurzen Phase der Anpassung – die oft von einer trügerischen Ruhe geprägt ist – unweigerlich die sogenannte Testphase einsetzt. Diese Phase ist für den Erfolg der gesamten ISE-Maßnahme von existenzieller Bedeutung. Der Jugendliche, dessen Bindungssystem durch jahrelange Enttäuschungen schwer geschädigt ist, muss nun unbewusst überprüfen, ob das Versprechen der Betreuer („Wir bleiben“) auch unter Extrembedingungen Bestand hat.

In dieser Testphase fährt der Jugendliche alles auf, was sein Arsenal an Abwehr- und Zerstörungsmechanismen hergibt. Die verbale Aggression schlägt in physische Gewalt um, die Sachbeschädigung wird zum Alltag und die Schulverweigerung wird vehement verteidigt. Das Gehirn des Jugendlichen sucht verzweifelt nach der Bestätigung seines inneren Arbeitsmodells: „Seht ihr, ihr schmeißt mich jetzt auch raus, genau wie alle anderen vor euch.“ Viele herkömmliche Maßnahmen scheitern genau an diesem Punkt, weil das Personal überfordert ist, die Struktur bricht und der Träger das Handtuch wirft.

Bei SOLSYSTEM und SOLPROTECT fängt die Arbeit hier erst richtig an. Wenn es laut wird, werden wir noch leiser, noch klarer und noch präsenter. Wir spiegeln dem Jugendlichen unermüdlich: „Du kannst das Haus zerlegen, du kannst mich anschreien – aber morgen früh um acht Uhr sitze ich wieder hier mit deinem Frühstück und wir starten von vorn.“ Wenn der Jugendliche realisiert, dass seine destruktive Kraft nicht mehr ausreicht, um die pädagogische Beziehung zu zerstören, passiert etwas Magisches. Das hochgefahrene Nervensystem reguliert sich dauerhaft herunter. Die Waffen werden gestreckt. Aus der permanenten Gegenwehr entsteht ein zögerliches Erstes, dann ein tieferes Vertrauen. Erst wenn es richtig laut war, kann die nachhaltige, heilende Ruhe einkehren, die diesen Kindern den Weg zurück in die Gesellschaft ebnet.

Das möchte ich Ihnen mit geben

Persönliches Fazit von Marcel

Eine ISE-Maßnahme zu beginnen und ein Kind zum ersten Mal abzuholen, ist jedes Mal aufs Neue ein Gang auf dünnem Eis. Es erfordert den Mut, sich ohne Vorurteile in den Sturm eines zerrütteten Lebens zu stellen. Doch genau in diesem Sturm liegt die größte Chance. Wenn wir es schaffen, in den dunkelsten Stunden eines Jugendlichen die unerschütterliche Konstante zu sein, dann legen wir den Keim für echte, tiefgreifende Veränderung. Ich habe oft genug erlebt, wie aus vermeintlich hoffnungslosen Systemsprengern junge Menschen wurden, die ihren Weg im Leben gefunden haben. Es lohnt sich, um jedes einzelne Kind zu kämpfen – mit Herz, Verstand und professioneller Struktur.

Stellen Sie uns Ihre Fall-Anfrage:

Wenn Sie als Mitarbeiter im Jugendamt, im ASD, als Familienrichter oder als betroffene Eltern vor einem Hilfeverlauf stehen, der vollkommen festgefahren scheint und bei dem herkömmliche pädagogische Angebote versagen, lohnt sich oft ein neuer, unkonventioneller Blick auf den Fall. Manchmal braucht es keine neue, noch restriktivere Maßnahme, sondern einen völlig neuen, struktursicheren Ansatz. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Lassen Sie uns gemeinsam die Akte öffnen und einen Weg finden, wo andere nur noch Sackgassen sehen. SOLSYSTEM und SOLPROTECT stehen bereit, wenn es darauf ankommt.

Wie schnell kann das Kriseninterventionsteam von SOLPROTECT und SOLSYSTEM vor Ort sein?

Unser hochspezialisiertes Kriseninterventionsteam zeichnet sich durch extrem kurze Reaktionszeiten aus. In akuten Gefährdungslagen oder bei drohenden Abbrüchen in bestehenden Einrichtungen können wir bundesweit innerhalb weniger Stunden einsatzbereit sein, um die Situation vor Ort zu deeskalieren und das Kind sicher in eine neue ISE-Struktur zu überführen.

Wer übernimmt die Kosten für eine solche intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung?

Die Kosten für eine ISE-Maßnahme nach § 35 oder § 35a SGB VIII werden nach einer entsprechenden Bedarfsfeststellung im Hilfeplanverfahren (§ 36 SGB VIII) vollständig vom zuständigen Jugendamt übernommen. Da es sich um eine Pflichtleistung der Kinder- und Jugendhilfe handelt, müssen verzweifelte Eltern diese Kosten nicht selbst tragen.

Wie unterscheidet sich der Ansatz von SOLSYSTEM von klassischen Wohngruppen?

Während klassische Wohngruppen im Gruppensetting oft an die Grenzen ihrer personellen und konzeptionellen Belastbarkeit stoßen, arbeiten wir bei SOLSYSTEM ausschließlich im intensivsten Eins-zu-Eins-Setting. Durch die lückenlose Begleitung durch speziell ausgebildete Strukturhelfer und die enge Kooperation mit den Deeskalationsexperten von SOLPROTECT können wir auch Jugendliche halten, die in Gruppenkontexten als nicht mehr tragbar gelten.

Welche Rolle spielen die Eltern während der laufenden ISE-Maßnahme?

Die Eltern sind für uns kein Störfaktor, sondern ein zentraler Teil der Lösung. Durch das von Linda Potthof geleitete, parallel stattfindende Elterncoaching werden die Mütter und Väter im Hintergrund psychologisch stabilisiert und geschult. Dadurch stellen wir sicher, dass die in der Maßnahme erarbeiteten Fortschritte nicht bei den ersten Elternkontakten wieder relativiert werden.

Gibt es eine Altergrenze für die Aufnahme von Jugendlichen in Ihre ISE-Maßnahmen?

Unsere Konzepte sind primär auf Jugendliche und junge Volljährige im Alter von 12 bis 21 Jahren ausgerichtet, die schwere Verhaltensauffälligkeiten, Bindungsstörungen oder Tendenzen zur Selbst- und Fremdgefährdung zeigen. Die rechtliche Grundlage bildet hierbei der gesamte Rahmen der Hilfen für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII.